NIKE DUNK


Nike Dunk und Nike Dunk Low

Bei seiner Gründung vor über 50 Jahren standen zunächst ausschließlich Sportschuhe auf dem Produktsortiment des US-amerikanischen Unternehmens, das sich für keinen geringeren Namen als den der griechischen Siegesgöttin entschieden hat. Mag sich die Angebotspalette inzwischen auch umfassend erweitert haben, ist es noch immer die bekannte Nike-Footwear, die weltweit die größte Aufmerksamkeit erhält. Fast von Anfang an mit dabei, sorgt unter anderem der Nike Dunk in seinen zahlreichen Ausgestaltungen noch immer für einen Run auf Markteinführungen und enttäuschte Gesichter, hat es einmal nicht geklappt. Doch woran liegt es, dass ein Schuhmodell noch nach dreieinhalb Jahrzehnten einen solchen Hype auslöst? Wir finden es heraus, indem wir in die Geschichte eintauchen: Let‘s dunk into Nike Dunks and Nike Dunk Lows.

Mitzählen aufgegeben

Wie viele Paare Nike Dunks in seinen zahlreichen Varianten seit dem ersten Modell 1985 produziert worden sind, ist zumindest offiziell nicht bekannt; alleine vom „Paris Dunk“ sollen bis zu 200 Arten erhältlich sein. Oder besser: schwer erhältlich sein. Denn was feststeht, ist die ungebrochene Nachfrage von Jung und Alt, Fans und Sammlern, Sportlern und Trendsettern nach den Schuhen, die in Zeiten des Michael-Jordan-Hypes ursprünglich einzig für den Basketball designt worden sind. Daher auch die explizite Namensgebung …

Aus vier mach eins

Basketballspieler kennen den Begriff natürlich – noch dazu, als es kein direktes deutsches Äquivalent zum „Dunking Slam“ oder einfach auch nur „Dunk“ existiert. Bei diesem Move springt der Spieler mit dem Ball so hoch, dass er diesen von oben kraftvoll in den Korb „eintaucht“. Eingetaucht in die Materie ist auch der ehemalige Nike-Designer Peter Moore, als er vor 37 Jahren aus vier bereits ikonischen Schuhmodellen des Sportartikelherstellers die jeweils besten Eigenschaften zu einem einzigen Paar zusammenfügte: Mit der Außensohle von Air Force 1, dem Obermaterial von Air Jordan und Terminator und der Form des Legend war der Nike Dunk geboren. Mit diesen Funktionen sollten der Bewegungsablauf auf dem Court, das Schwenken und Blockieren noch flüssiger bzw. abrupter gestaltet werden.

Die Farbrevolution beginnt

Was neben den technischen Parametern noch fehlte? Eine unnachahmliche Farbgebung. Denn in diesem Falle dienten nicht die unifarbenen Schuhvorbilder als Anregung, sondern die Division-I-Basketballteams US-amerikanischer Colleges. Ein gleichsam in mehrfacher Hinsicht genialer Schachzug: Durch die begehrten TV-Übertragungen der Hochschul-Ligen verbreitete sich die „Stay True to Your School“-Werbekampagne ohne weiteres Zutun wie ein Lauffeuer. Gleichzeitig verbreiterte sich durch die geschickte Marketingstrategie auch die Zielgruppe: Wer etwas auf sich hielt, erwarb ein Paar Nike Dunks in der Farbvariante seiner Mannschaft.

Vom Basketball zum Skateboarding

Kein Trend hält ewig. Auch der Nike Dunk geriet trotz seines aufmerksamkeitswirksamen Color-Blockings, trotz einer Nylonzunge zur Gewichtsreduzierung, einem kürzeren Schaft und dickeren Nike-„Swoosh“ um die Jahrtausendwende wieder aus den Schlagzeilen – nicht zuletzt durch die große Konkurrenz aus dem eigenen Haus wie dem noch immer beliebten Air Jordan.

Doch andere Trends halten Einzug. Langsam, aber sicher hat sich mit der New-Kids-on-the-Block-Bewegung eine Skater-Gemeinschaft gebildet, die sich Nike als junge, dynamische, weltweit wachsende Zielgruppe nicht entgehen lassen wollte. Und weshalb auch nicht? Auch Skater benötigen feste Schuhe mit optimalem Halt und einer stabilen Knöchelunterstützung. Das Problem: Nike war ein weltweit agierendes, kommerzielles Unternehmen, dem die Skaterszene anfangs mit großer Skepsis gegenüberstand. Ein Grund mehr für das erfolgsverwöhnte Unternehmen, nicht lockerzulassen: Im Frühjahr 2002 nahm eine offizielle Skateboarder-Abteilung bei Nike ihre Arbeit und damit der Nike Dunk erneut Fahrt auf.

Hohe Sprünge mit dem Dunk Low

Es waren nicht viele Änderungen und für Laien auf den ersten Blick kaum ersichtlich, die für den Nike Dunk Low am Nike Dunk vorgenommen worden sind. Doch was ein kleiner Schritt im Einzelnen, kann ein großer für eine ganze Community sein: Die erste Skater-Version wurde aus gleich mehreren Gründen mit ihrer Markteinführung sofort zum Verkaufsschlager.

Gezielte Verarbeitung, gezielte Vermarktung

Rein technologisch behielt der Nike Dunk Low Pro Skateboard – oder auch: SB – nur seine elastischen Riemen. Die relativ dicke Lasche wich einer flachen Zunge, die Sohle erhielt ein neues Griptape für besonders guten Halt, die flexible Einlegesohle wurde mit einem zusätzlichen Schaumbett verstärkt und dank des unternehmenseigenen Zoom Air Units in der Ferse eine flache Dämpfung für schnellere Abstoßgeschwindigkeiten gewährleistet.

 

In Hinblick auf ästhetische Gesichtspunkte kombinierte der Nike Dunk Low spezifische Skater-Charakteristiken mit zeitgemäßen Lifestyle-Sneakern. Aus dem sperrigen Look der Dunk Highs für den Basketballcourt entstand ein stabiles, doch gleichzeitig leichtes Schuhmodell für den täglichen Gebrauch auch außerhalb der Halfpipe.

 

Vor allem aber fühlten sich die rebellischen Skater verstanden – ausgerechnet von einem der umsatzstärksten Sportartikelhersteller rund um den Globus. Der Dunk Low trug nicht nur ihrem Sport Rechnung, sondern auch ihrer Kultur. Denn Nike verpflichtete sich zu einer limitierten Herstellung jeder Dunk-Low-Version und dem ausschließlichen Verkauf in einem exklusiven Netzwerk von insgesamt nur zwölf unabhängigen Skater-Shops. Kein Wunder, dass die ersten vier SB-Farbvarianten hohe Wellen in der Skater-Community schlugen und sich für die „Colors By“-Serie lange Schlangen vor den ausgesuchten Läden bildeten.

Sammeln statt tragen

Der Nike Dunk wurde nicht nur von Basketballern, sondern auch ihren Fans getragen. Auch der Nike Dunk Low behielt trotz seiner Exklusivität nicht die Exklusivität der Skater-Szene. Schnell war die Aufmerksamkeit modischer Trendsetter erregt, die durch geschickte Kooperationsstrategien noch gesteigert wurde. Keine geringeren Namen als Supreme, Zoo York oder Levi’s sorgten nicht nur für reißenden Absatz unter Sneaker-Fans aus aller Welt. Sondern auch für die Entstehung einer Sammlergemeinschaft.

 

Wer Schuhe kauft, lässt sich nicht immer den Karton mitgeben. Anders bei den Nike Dunks: Farben und Designs der Boxen erleichtern Sammlern den Handel und die Nachverfolgung der unzähligen Paare in ihrer gewaltigen Fülle von Formen, Materialien und Mustern. Besonders beliebt: Varianten aus dem „Be True to Your School Pack“ zum 30-jährigen Jubiläum der Schuhikone oder der Dunk Lux High mit transparenten Vamp-Einsätzen. Spätestens durch Fotos dieses Modells an den Füßen von Kylie Jenner wurde auch in der weiblichen Fashionwelt eine Sneaker-Hysterie ausgelöst. Wer zu spät ist für sein begehrtes Paar, weicht heute auf andere Neuerscheinungen aus, auf Retro- oder Vintage-Varianten.

Ein Blick in die Glaskugel

Dem Fokus auf die sportliche Performance folgte der modische Zeitgeist. In Zukunft wird beim Nike Dunk und Nike Dunk Low das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle spielen. Erste Schritte wurden bereits unternommen, um der unternehmenseigenen Next Nature-Initiative auch bei den Schuhikonen Rechnung zu tragen. Seit der Dunk Low „White/Black“ im Oktober 2020 mit über 20 Prozent recycelten Materialien eingeführt wurde, folgten nach und nach weitere Farbvarianten. Die Sohle wird aus dem Gummi alter Turnschuhe gefertigt, der Ersatz des Lederobermaterials durch synthetische Fly-Leather-Fasern sowie die energiearme Herstellung folgen den „Move-to-zero“-Bemühungen des Unternehmens. Das Design bleibt unverändert – und damit mit Sicherheit auch die künftige Beliebtheit des Nike Dunk und Nike Dunk Low. Hast du noch kein Paar in deinem Schuhschrank, solltest du diesen Zustand unbedingt ändern. Du musst dafür auch weder der neue Dirk Nowitzki werden noch Obstacles beim Skateboard-Parcours überwinden. Gönn dir einfach mal etwas, gönn dir einen Klassiker!